Ich, der Küchendepp

Ich, der Küchendepp

Eine elfenhafte Silhouette tänzelt durch die Küche, die zarte Hand nimmt dieses – uuuh, ohlalala – extrem scharfe Messer und wirbelt damit ganz nonchalant durch den Koriander. Wie ein kleiner Hurricane. Exakt geschnitten sind die Blättchen, zehn mal durchtrennt und halbiert – so als hätte man sie durch eine Maschine gejagt.

Das bin ich… NICHT. Nein, ich bin der Töffel, der umher wütet. Der Töffel, bei dem alles schief läuft. Alles andere als eine Fee. Das war immer so, und es wird wohl auch so bleiben – zu mehr bin ich nicht geeignet. In Erfahrungsberichten heißt das: Irene und das Messer sind keine gute Kombo. Leid und Love – das gibt es wohl nicht.

Vor allem der Zeigefinger meiner linken Hand hat gelitten – viele Male. In Fleisch und Blut übergegangen sind ein paar kleine Ritzer und dann gibt es da noch tiefschürfendere Einschnitte.

Vor gut viereinhalb Jahren, an irgendeinem Samstagabend schnappte ich mir ein Brettchen und den Koriander. Ich hackte los, ganz eifrig, ganz schnell. So wie ich eben bin. Bei mir muss vieles schnell gehen, weil ich so wenig Geduld habe. Und wenn ich hungrig bin, dann muss alles noch viel schneller als schnell gehen. Tja, dann einmal aufgeblickt – und .. aaaaaaaaaah, mein Finger. Auaaaaa! Oh, fuck, ich habe mir gerade ein Viertel meines Fingernagels abgeschnitten. Oh man, tut das weh. Schnell ein Pflaster drauf. Pflaster? Was für eine scheiß Idee, die ich am Tag darauf in der Notfallpraxis noch sehr bereuen werde. Ich nenne nur die Stichworte: antrocknen, abreißen, höchste Nervendichte.

Tja, und vor ein paar Tagen hatte mein Zeigefinger wieder ein Tete-a-tete mit einem (frisch geschärften!) Messer. Dieses Mal hantierte ich an einer Avocado, wollte sie durchschneiden, rutschte ab und in mein mittleres Fingergelenk – an die Seite, und bin auf den Knochen gekommen. Oh, war das ein Schmerz. Wieder Pflaster drauf, was in diesem Fall auch richtig war. Und auch noch Verband. Jetzt sehe ich mir vier Tage später die Wunde an. Sie ist endlich verheilt, aber lang – bestimmt so 1,5 cm lang.

Das gleiche Problem habe ich auch mit Gläsern. Meine Weingläser musste ich schon einmal innerhalb von vier Jahren erneuern (es waren 8 Stück!). Wenn ich diskutiere, dann gestikuliere ich. Wenn ich mich bewege, dann bewegen sich die Dinge eben mit mir. Ich bin mein Töffel-Dasein gewohnt. Es zählt zu meinen Schwächen. Und ich habe noch mehr davon. Viel zu viele. Letztens war ich mit Freundinnen verabredet und mein Handy hatte seinen Saft fast verloren, aber ich brauchte so dringend das Navi zum Restaurant – und ich dachte so: Das kann doch nicht wahr sein, du bist fast angekommen und musst am Ende wieder umdrehen, weil du es wegen deines toten Navis (und des nicht vorhandenen inneren Navis) nicht mehr findest. Zum Glück schafften mein Handy und ich es.

Und zum Glück schaffe ich es meistens auch in der Küche, ohne dabei drauf zu gehen. Wenn ich viel zutun habe und Gäste empfange, was ich sehr gern tue, dann flippe ich regelrecht aus. Aber ich werde vor lauter Dinge, die ich zutun habe, handlungsunfähig. Crazy, oder? Ich setze mich leider eben unter Druck. Whaaaaaaa! Was mache ich als erstes? Was kann ich parallel machen? Parallel-Working ist nicht so meins. Am liebsten alles nacheinander. Dennoch: am Ende steht alles. Ich bin meist völlig fertig und / oder verletzt, aber ich schaffe immer alles. Meistens sind die Menschen, denen ich meine Gerichte serviere echt in love. Weil Liebe drin steckt. Und Liebe siegt doch – hoffentlich – immer.



2 thoughts on “Ich, der Küchendepp”

  • Heilandsack, das tut ja beim Lesen schon weh! Hoffe, alle Fingerwunden sind gut verheilt. Zum Thema Küchen-Töffel: Obwohl ich mich weit weniger (und mit deutlich weniger Leidenschaft) in der Küche betätige als du, habe ich mir kürzlich beinahe die Kuppe meines rechten Mittelfingers abgesäbelt (Notaufnahme und Nähen inklusive). Man sollte Schneidemaschinen eben immer so einsetzen, wie es die SIcherheitsvorkehrungen gebieten …

    Gruß, Volker

    • oh man, volker, das klingt ja wirklich dramatisch! ich hoffe, dem finger geht es wieder gut. ich persönlich kann von mir nur sagen: konzentriere dich auf das, was du gerade tust, sonst geht es böse aus – immer. gute besserung 🙂

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